Digitale Teilhabe ist soziale Teilhabe: CoRe engagiert sich beim Treffen der Menschen mit Armutserfahrung NRW
Am 5. August 2026 fand an der Hochschule Düsseldorf das neunte Treffen der Menschen mit Armutserfahrung in Nordrhein-Westfalen (TMA NRW) statt. Unter dem Motto „Vom Überleben zum LEBEN! Sei dabei und gestalte mit!“ kamen Menschen aus unterschiedlichen Regionen und Lebenslagen zusammen, um Erfahrungen auszutauschen, gemeinsame Positionen zu entwickeln und politische Forderungen zu formulieren.
Der Forschungsschwerpunkt Communication Research @ HSD (CoRe) beteiligte sich an der Veranstaltung mit einem Beitrag zum Thema digitale Teilhabe. Olaf Jandura hielt in der Arbeitsgruppe Digitalisierung den Vortrag „Sozial benachteiligt – digital abgehängt?“. Anschließend diskutierte er mit den Teilnehmenden unterschiedliche Dimensionen digitaler Ungleichheit und deren Bedeutung für den Alltag von Menschen mit Armutserfahrung.
Im Mittelpunkt standen dabei nicht nur der Zugang zum Internet und die Ausstattung mit digitalen Geräten. Digitale Klüfte zeigen sich auch darin, wie sicher und vielfältig Menschen digitale Angebote nutzen können und welche konkreten Vorteile ihnen daraus entstehen. Die von Jandura vorgestellten Sekundäranalysen für Nordrhein-Westfalen verdeutlichen unter anderem, dass der Anteil der Personen mit nur einem digitalen Endgerät unter Armutsbetroffenen knapp zweieinhalbmal so hoch ist wie unter nicht armutsbetroffenen Menschen. Während 92,5 Prozent der nicht armutsbetroffenen Befragten das Internet nutzen, liegt der Anteil bei Menschen mit Armutserfahrung bei 73,3 Prozent. Auch bei Anwendungen wie Onlinebanking, Onlineshopping oder digitaler Kommunikation bestehen deutliche Unterschiede.
In der Arbeitsgruppe wurden die wissenschaftlichen Befunde mit den Perspektiven und Alltagserfahrungen der Teilnehmenden verbunden. Diskutiert wurde unter anderem, wie Kosten, eine unzureichende Geräteausstattung, fehlende Unterstützung und schwer verständliche digitale Angebote den Zugang zu Behörden, Bildungsangeboten, gesellschaftlicher Information und politischer Beteiligung erschweren können. Deutlich wurde: Digitale Teilhabe ist keine rein technische Frage, sondern ein wesentlicher Bestandteil sozialer und demokratischer Teilhabe.
Das TMA NRW ist ein landesweites Netzwerk von Menschen, die Armut gegenwärtig erleben oder erlebt haben, sowie von Personen, die sich solidarisch engagieren. Es schafft Räume für Begegnung, gegenseitige Unterstützung und gemeinsame politische Arbeit. Ein zentrales Anliegen lautet, dass nicht nur über Menschen mit Armutserfahrung gesprochen wird, sondern dass sie als Expertinnen und Experten ihrer eigenen Lebenslagen selbst an gesellschaftlichen und politischen Diskussionen beteiligt werden.
Auch die WDR Lokalzeit aus Düsseldorf berichtete am Abend über das Treffen und rückte damit die Erfahrungen und Forderungen der Teilnehmenden in den Mittelpunkt der regionalen Öffentlichkeit. Die Sendung vom 5. August 2026 ist in der ARD Mediathek abrufbar.
Mit seinem Engagement beim TMA NRW setzt CoRe den Austausch zwischen Wissenschaft und Gesellschaft fort. Der direkte Dialog mit Menschen mit Armutserfahrung liefert wichtige Impulse dafür, digitale Ungleichheiten nicht nur zu untersuchen, sondern gemeinsam mit den Betroffenen nach geeigneten Wegen zu mehr digitaler Teilhabe zu suchen.
Neugierig? Hier geht es zur Projektseite.