Neuer Artikel in Communicatio Socialis: Digitale Teilhabe ist eine soziale Frage
Einen Termin online buchen, Gesundheitsinformationen recherchieren, Onlinebanking nutzen oder sich politisch informieren: Digitale Angebote gehören für viele Menschen selbstverständlich zum Alltag. Doch nicht alle Menschen können gleichermaßen davon profitieren.
Der neue Artikel „Sozial benachteiligt, digital abgehängt? Eine Sekundärdatenanalyse zu digitalen Klüften in Deutschland“ von Hannah Kehl, Hella de Haas, Jana L. Peters und Olaf Jandura ist in der Fachzeitschrift Communicatio Socialis erschienen. Der Beitrag ist aus dem Projekt „Sozial benachteiligt, digital abgehängt? Sekundärdatenanalysen zu digitalen Klüften in Nordrhein-Westfalen“ hervorgegangen, das am Forschungsschwerpunkt Communication Research der Hochschule Düsseldorf durchgeführt wurde.
Worum geht es?
Der Artikel untersucht, wie stark sich digitale Teilhabe zwischen armutsbetroffenen und nicht armutsbetroffenen Menschen in Deutschland unterscheidet.
Im Mittelpunkt stehen drei Ebenen digitaler Ungleichheit:
- Zugang zu digitalen Geräten und zum Internet
- Nutzung digitaler Angebote im Alltag
- Wirkungen digitaler Nutzung, etwa für Information, Bildung oder politische Beteiligung
Was wurde untersucht?
Für die Studie wurden Daten der Allensbacher Markt- und Werbeträgeranalyse 2025 ausgewertet. Die Analyse basiert auf 23.075 mündlich-persönlichen Interviews mit der deutschsprachigen Bevölkerung ab 14 Jahren in Deutschland.
Untersucht wurden unter anderem:
- die Ausstattung mit digitalen Geräten, zum Beispiel Laptop, Tablet oder Smartphone
- die Nutzung des Internets und digitaler Alltagsangebote
- die subjektive Kompetenz bei der Internetsuche
- politisches Interesse und Formen der Online-Partizipation
Was zeigen die Ergebnisse?
Die Ergebnisse machen deutlich: Armutsbetroffene Menschen sind auf mehreren Ebenen digital benachteiligt.
Sie verfügen seltener über Computer, Laptops oder Tablets. Smartphones sind zwar weit verbreitet, können aber nicht in jeder Situation ein geeignetes Gerät ersetzen. Das gilt zum Beispiel beim Schreiben längerer Texte, beim Bearbeiten von Unterlagen oder beim Ausfüllen komplexerer Online-Formulare.
Auch digitale Angebote werden unterschiedlich genutzt. Besonders deutliche Unterschiede zeigen sich beim Onlinebanking, bei der gezielten Suche nach weiterführenden Informationen und bei der Nutzung digitaler Nachschlagewerke. Zudem schätzen armutsbetroffene Menschen ihre eigene Kompetenz bei der Internetsuche seltener hoch ein.
Der Beitrag zeigt damit: Digitale Ungleichheit ist kein rein technisches Problem. Sie hängt eng mit sozialen Ressourcen, Bildung, Einkommen und gesellschaftlichen Teilhabechancen zusammen.
Kehl, H., Haas, H. de, Peters, J. L. & Jandura, O. (2026). Sozial benachteiligt – digital abgehängt? Eine Sekundärdatenanalyse zu digitalen Klüften in Deutschland. Communicatio Socialis, 59(2), 172–183. https://doi.org/10.5771/0010-3497-2026-2-172
Das zugrunde liegende Projekt „Sozial benachteiligt – digital abgehängt? Sekundärdatenanalysen zu digitalen Klüften in Nordrhein-Westfalen“ wurde vom Ministerium für Arbeit, Gesundheit und Soziales des Landes Nordrhein-Westfalen gefördert. Weitere Informationen zum Projekt finden Sie auf der Projektseite und im Bericht.