Konstruktiver Journalismus. Empirische Analysen zum Wirkungspotenzial einer neuen Journalismusform
Worum geht es?
Politikberichterstattung fokussiert häufig auf Probleme, Konflikte und Krisen. Das ist journalistisch wichtig, kann beim Publikum aber auch negative Folgen haben: Angst, Ärger, politischer Zynismus oder das Gefühl, gesellschaftlichen Problemen wenig entgegensetzen zu können.
Konstruktiver Journalismus setzt hier an. Er versteht sich nicht als „positive Berichterstattung“, die Probleme ausblendet. Vielmehr geht es darum, gesellschaftlich relevante Herausforderungen sachlich, ausgewogen und lösungsorientiert darzustellen. Neben Problemen sollen auch mögliche Wege zu ihrer Bearbeitung sichtbar werden.
Das Projekt untersucht, ob und wie eine solche Form der Berichterstattung auf Rezipierende wirkt. Im Mittelpunkt stehen dabei Emotionen, Einstellungen, Wahrnehmungen und Verhaltensabsichten des Publikums.
Warum ist das wichtig?
Journalismus prägt, wie Menschen gesellschaftliche Probleme wahrnehmen. Wenn Berichterstattung vor allem Konflikte, Scheitern und Krisen sichtbar macht, kann dies das Bild von Politik und Gesellschaft beeinflussen. Konstruktiver Journalismus verspricht, ein vollständigeres Bild zu vermitteln: kritisch gegenüber Problemen, aber offen für Lösungen, Handlungsmöglichkeiten und gesellschaftliches Engagement.
Gleichzeitig ist bislang noch nicht ausreichend geklärt, was konstruktiven Journalismus genau ausmacht, wie er theoretisch zu fassen ist und unter welchen Bedingungen er tatsächlich wirkt. Genau hier setzt das Forschungsprojekt an.
Forschungsfragen
Das Projekt geht unter anderem folgenden Fragen nach:
- Wie berichten Medien, die sich selbst dem konstruktiven Journalismus zurechnen?
- Worin unterscheiden sie sich von etablierten Nachrichtenmedien?
- Wie groß ist das Nutzungspotenzial konstruktiver Berichterstattung?
- Wann bevorzugt das Publikum konstruktive gegenüber problemzentrierter Bericht-erstattung?
- Welche Wirkungen haben Ausgewogenheit, Sachlichkeit und Lösungsorientierung auf Emotionen, Einstellungen und Verhaltensabsichten?
- Welche Rolle spielen Themen, Vorerfahrungen und persönliche Merkmale der Rezipierenden?
Vorgehen
Das Projekt verbindet theoretische Modellierung mit empirischen Analysen und gliedert sich in mehrere Untersuchungsschritte.
Inhalte konstruktiver Berichterstattung
Zunächst wird mit einer manuellen quantitativen Inhaltsanalyse untersucht, wie konstruktive Medien über gesellschaftlich relevante Themen berichten. Dabei wird auch geprüft, wie sich diese Berichterstattung von etablierten Nachrichtenmedien unterscheidet.
Nutzungspotenzial
In einem weiteren Schritt wird mithilfe einer experimentellen Befragung analysiert, ob und unter welchen Bedingungen Rezipierende konstruktive Berichterstattung gegenüber problemzentrierter Berichterstattung bevorzugen.
Wirkung konstruktiver Berichterstattung
Im Zentrum steht schließlich die Frage, welche Wirkungen verschiedene Dimensionen konstruktiver Berichterstattung entfalten. Untersucht werden insbesondere Ausgewogenheit, Sachlichkeit und Lösungsorientierung. Dabei wird berücksichtigt, ob diese Wirkungen je nach Thema und persönlichen Voraussetzungen der Rezipierenden unterschiedlich ausfallen.
Kooperation
Das Projekt wird von Prof. Dr. Marcus Maurer am Lehr- und Forschungsbereich Politische Kommunikation des Instituts für Publizistik der Johannes Gutenberg-Universität Mainz geleitet. Projektmitarbeiter ist Matthias Mack M.A.
Der Forschungsschwerpunkt Communication Research @ HSD ist über Prof. Dr. Olaf Jandura als Kooperationspartner beteiligt. Die Kooperation verbindet die Mainzer Forschung zur politischen Kommunikation mit der Expertise des Forschungsschwerpunkts zu Journalismus, Medienwirkungen, politischer Kommunikation und demokratischer Öffentlichkeit.
Zur Projektseite der Johannes Gutenberg-Universität Mainz
Vorträge und Publikationen
Vorträge
Mack, M., Jandura, O. & Maurer, M. (2025, Juni). The Effects of Constructive Journalism: Towards a Theoretical Framework. Vortrag auf der 75. Jahreskonferenz der International Communication Association (ICA), Denver, CO, Denver.
Mack, M., Maurer, M. & Jandura, O. (2026, März). Wie vielfältig ist Konstruktiver Journalismus? Ein Vergleich zwischen etablierten und konstruktiv berichtenden Medien. Vortrag auf der Jahrestagung der Deutsche Gesellschaft für Publizistik- und Kommunikationswissenschaft (DGPuK), Dortmund.
Publikationen
Mack, M., Jandura, O. & Maurer, M. (2025). The effects of constructive journalism: Towards a theoretical framework. Journalism, Artikel 14648849251395798. Vorab-Onlinepublikation. https://doi.org/10.1177/14648849251395798
Förderung und Laufzeit
Das Projekt wird durch die Deutsche Forschungs-
gemeinschaft (DFG) gefördert.
DFG-Projektnr.: 512131520
Laufzeit: 2024 bis 2026