Neue Veröffentlichung zu digitaler Öffentlichkeit und Demokratie

Olaf Jandura und Julia Spatz untersuchen Fragmentierungsprozesse politischer Online-Kommunikation

Wie verändert die Digitalisierung politische Öffentlichkeit? Welche Gruppen profitieren von neuen Informations- und Beteiligungsmöglichkeiten im Netz – und wer bleibt außen vor? Diesen Fragen gehen Olaf Jandura und Julia Spatz (Heinrich-Heine-Universität Düsseldorf) in ihrem Beitrag „Asymmetric Opportunities and Threats of Online Fragmentation Processes for Democracy“ nach. Der Aufsatz ist im Open-Access-Sammelband „The Digital Society. Empirical Perspectives on the Digital Transformation of the Public Sphere and its Institutions“ bei Springer VS erschienen.

Der Sammelband bündelt zentrale Ergebnisse des interdisziplinären Forschungsverbunds NRW Digital Society, der von 2018 bis 2022 durch das Land Nordrhein-Westfalen gefördert und an der Universität Bonn gemeinsam mit elf Partnerhochschulen in NRW umgesetzt wurde. Im Zentrum stand die Frage, wie Demokratie in der digitalen Gesellschaft gestärkt und gesichert werden kann. Der Band ist damit zugleich wissenschaftliche Bilanz und Abschlussdokumentation eines breit angelegten Forschungsprogramms zur digitalen Transformation von Öffentlichkeit, Institutionen und demokratischen Prozessen.

Besonders hervorzuheben ist der Beitrag von Olexiy Khabyuk. Er war gemeinsam mit Olaf Jandura einer der verantwortlichen Principal Investigators des Graduiertenschul-Tandems „Audience and market fragmentation online“. Dieses Tandem bildete eine wichtige Grundlage für die späteren Arbeiten zur Fragmentierung von Online-Angeboten und Online-Publika. Olexiy Khabyuk hat damit wesentlich dazu beigetragen, die Perspektive auf Angebots- und Publikumsfragmentierung im digitalen Medienmarkt im Forschungsverbund zu verankern und die interdisziplinäre Zusammenarbeit in der Forschung zwischen Hochschule Düsseldorf und verschiedenen universitären Partnern zu stärken.

Der Beitrag von Jandura und Spatz fragt, welche gesellschaftlichen Gruppen politische Informationen online nutzen und welche Folgen dies für demokratische Teilhabe hat. Die Autor*innen untersuchen digitale politische Kommunikation anhand politisch-kommunikativer Milieus. Dadurch rücken nicht nur individuelle Nutzungsmuster in den Blick, sondern auch soziale Lage, politische Einstellungen, Werte und Kommunikationspraktiken.

Zentrale These ist, dass digitale politische Kommunikation zugleich Chancen und Risiken erzeugt. Online-Medien können Zugangshürden senken, Informationsangebote erweitern und neue Beteiligungsformen eröffnen. Gleichzeitig können sie bestehende soziale Ungleichheiten verstärken, wenn bestimmte Gruppen digitale politische Angebote intensiv und vielfältig nutzen, andere aber kaum erreicht werden oder sich in selektiven Kommunikationsräumen bewegen.

Die Ergebnisse zeigen eine asymmetrische Verteilung digitaler Teilhabechancen. Politisch interessierte und selbstwirksame Gruppen nutzen vielfältige Online-Quellen und können digitale Kommunikationsräume für Information, Austausch und Beteiligung einsetzen. Andere Milieus nutzen politische Online-Informationen dagegen nur begrenzt, selektiv oder in eher meinungshomogenen Umgebungen. Damit wird deutlich: Das Internet führt weder automatisch zu mehr demokratischer Beteiligung noch zwangsläufig zu Filterblasen und gesellschaftlicher Spaltung. Aus demokratietheoretischer Perspektive ziehen Jandura und Spatz eine klare Schlussfolgerung: Die Fragmentierung der Online-Öffentlichkeit muss kontinuierlich beobachtet werden. Zugleich braucht es einen starken politischen Journalismus, der Orientierung bietet, unterschiedliche gesellschaftliche Gruppen erreicht und Räume für übergreifende öffentliche Verständigung schafft. Der Beitrag zeigt damit, dass die Zukunft politischer Kommunikation nicht allein von Technologien, Plattformen oder Algorithmen abhängt, sondern von den sozialen Voraussetzungen kommunikativer Teilhabe.

Der vollständige Beitrag ist Open Access im Sammelband The Digital Society. Empirical Perspectives on the Digital Transformation of the Public Sphere and its Institutions bei Springer VS erschienen. Wer mehr darüber erfahren möchte, wie politische Online-Kommunikation demokratische Teilhabe ermöglicht, aber auch neue Ungleichheiten und Fragmentierungsprozesse hervorbringen kann, kann den Beitrag frei zugänglich lesen:

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Zitation

Jandura, O. & Spatz, J. (2026). Asymmetric Opportunities and Threats of Online Fragmentation Processes for Democracy. In M. Anastasiadis, Y. Peters & C. Thimm (Hrsg.), The Digital Society (S. 83–108). Springer Fachmedien Wiesbaden. https://doi.org/10.1007/978-3-658-49118-5_4