CoRe @ HSD bei der DGPuK-Tagung in Köln
Journalistische Qualität aus unterschiedlichen Perspektiven
Wie lässt sich journalistische Qualität unter den Bedingungen heterogener Publika, neuer Technologien und veränderter Mediennutzung bestimmen? Diese Frage stand vom 9. bis 11. September 2026 im Mittelpunkt der Jahrestagung der DGPuK-Fachgruppe Journalistik und Journalismusforschung an der TH Köln.
Die Tagung unter dem Titel „Journalistische Qualität: Neue Kanäle, neue Akteur, neue Formate“ nahm die Veränderungen des journalistischen Feldes zum Ausgangspunkt, um klassische und neue Vorstellungen journalistischer Qualität zu diskutieren. Im Programm standen theoretische Beiträge ebenso wie aktuelle empirische Studien und die Evaluation methodischer Ansätze.
Damit berührte die Tagung Fragen, die auch im Forschungsschwerpunkt Communication Research @ HSD eine zentrale Rolle spielen: Wie verändern gesellschaftliche Differenzierung, Digitalisierung und neue Formen der Mediennutzung die Anforderungen an Journalismus und öffentliche Kommunikation?
CoRe @ HSD auf der Tagung
Communication Research @ HSD war in Köln durch Prof. Dr. Olaf Jandura und Hannah Kehl vertreten. Die Beteiligung umfasste unterschiedliche Formen wissenschaftlichen Austauschs: Nachwuchsförderung, Moderation fachlicher Debatten und die Präsentation eigener Forschungsergebnisse.
Bereits zum Auftakt am 9. September wirkte Olaf Jandura als Respondent im Doktorandenkolloquium mit. In diesem Format erhielten Promovierende die Möglichkeit, laufende Dissertationsprojekte vorzustellen und mit erfahrenen Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftlern zu diskutieren.
Am zweiten Tag übernahm Olaf Jandura zudem den Chair des Panels „Neue Wege in der Messung von Qualität“. Die Beiträge des Panels beschäftigten sich mit neuen methodischen Zugängen zur Qualitätsmessung, unter anderem mit automatisierten Verfahren und dem Einsatz von Large Language Models.
Qualität aus Publikumssicht
Am Nachmittag wechselte die Perspektive von der Moderation zur eigenen Forschung. Gemeinsam mit Hannah Kehl stellte Olaf Jandura im Panel „Qualität aus Publikumssicht“ die Studie „Milieuspezifische Perspektiven auf den Journalismus: Erwartungen an journalistische Rollen und ihre wahrgenommene Erfüllung in heterogenen Publika“ vor.
Ausgangspunkt der Studie ist die Annahme, dass journalistische Qualität nicht allein durch professionelle Normen bestimmt wird. Auch Bürgerinnen und Bürger haben Erwartungen daran, welche gesellschaftlichen Aufgaben Journalismus erfüllen soll und ob diese Aufgaben aus ihrer Sicht tatsächlich erfüllt werden.
Foto: Johannes Michel
Was unterschiedliche Publika vom Journalismus erwarten
Ein zentrales Ergebnis der Studie ist ein gemeinsamer Kern journalistischer Erwartungen: Information, Einordnung, Neutralität und Transparenz sind in der Bevölkerung besonders wichtig.
Darüber hinaus zeigen sich deutliche Unterschiede zwischen verschiedenen politisch-kommunikativen Milieus:
Kritisch Engagierte formulieren insgesamt die breitesten und anspruchsvollsten Erwartungen an Journalismus.
Marktliberal Rechte stehen vor allem einer politisch-gesellschaftlich intervenierenden Rolle des Journalismus zurückhaltender gegenüber.
Autoritätsorientiert wenig Interessierte äußern geringere Erwartungen an politische Befähigung, Watchdog-Funktionen und Transparenz.
Auch die Wahrnehmung journalistischer Leistungen unterscheidet sich. Kritisch Engagierte bewerten diese überwiegend positiver, Autoritätsorientiert wenig Interessierte häufiger negativer. Zugleich zeigt sich: Bei zentralen Aufgaben wie Information und Neutralität, politischer Befähigung sowie Transparenz liegen die Erwartungen der Befragten über der wahrgenommenen Erfüllung.
Was bedeutet das für journalistische Qualität?
Für Journalismus ergibt sich daraus eine doppelte Aufgabe. Einerseits muss er milieuübergreifend verlässliche Kernleistungen sichern, insbesondere Information, Einordnung, Neutralität und Transparenz. Andererseits sollte er berücksichtigen, dass weitergehende Rollen, etwa politische Intervention, Partizipation oder Lösungsorientierung, in unterschiedlichen gesellschaftlichen Gruppen verschieden bewertet werden.
Die Studie zeigt damit, dass journalistische Qualität nicht nur aus professioneller Sicht bestimmt werden kann. Sie muss auch die Erwartungen heterogener Publika berücksichtigen und fragen, wie Journalismus unterschiedliche gesellschaftliche Gruppen erreicht, informiert und in öffentliche Kommunikation einbindet.