Appell zur Zukunft des Journalismus: Warum demokratische Öffentlichkeit neue Infrastrukturen braucht
Wir möchten auf die Veröffentlichung eines Appells zur Zukunft des Journalismus hinweisen, der sich mit journalistischen Angeboten und ihren demokratischen Grundlagen befasst. Im Mittelpunkt steht die Frage, wie Journalismus unter den Bedingungen digitaler Plattformen, künstlicher Intelligenz und veränderter Finanzierungsmodelle dauerhaft gesichert werden kann.
Der Appell macht deutlich: Die Krise des Journalismus ist nicht allein ein Branchenproblem. Sie berührt zentrale Voraussetzungen demokratischer Öffentlichkeit, denn verlässliche Informationen, Orientierung und öffentliche Verständigung sind grundlegend für demokratische Teilhabe.
Anschluss an Forschung zu lokaler Demokratie
Diese Perspektive schließt unmittelbar an Forschungsarbeiten an, an denen der Forschungsschwerpunkt Communication Research@HSD in Kooperation mit dem vhw, Bundesverband für Wohnen und Stadtentwicklung e. V., beteiligt ist.
Im Projekt „Kommunikationsinfrastrukturen für die lokale Demokratie“ wurde untersucht, wie sich lokale Informations- und Kommunikationsräume durch Digitalisierung, soziale Medien, veränderte Mediennutzung und den Rückzug klassischer Lokalmedien verändern. Aus dem Forschungsschwerpunkt waren Prof. Dr. Olaf Jandura und Gregor Meyer, M.A., beteiligt.
Lokale Öffentlichkeit verändert sich
Die im Projekt erarbeiteten Unterlagen zeigen: Lokale Öffentlichkeit entsteht heute nicht mehr selbstverständlich über wenige zentrale Medienangebote. Stattdessen bilden sich vielfältige, teilweise voneinander getrennte Teilöffentlichkeiten.
Für Kommunen, zivilgesellschaftliche Organisationen, lokale Medien und Bürgerinnen und Bürger wird es dadurch schwieriger,
- relevante Informationen sichtbar zu machen,
- verlässliche Orientierung zu schaffen,
- unterschiedliche Gruppen zu erreichen,
- demokratische Teilhabe vor Ort zu ermöglichen.
Local Open Public Space als Lösungsansatz
Ein zentrales Ergebnis der vhw-Arbeiten ist der Vorschlag eines „Local Open Public Space“. Gemeint ist eine gemeinwohlorientierte lokale Kommunikationsinfrastruktur, die Informationen aus Verwaltung, Zivilgesellschaft und unabhängigem Lokaljournalismus besser auffindbar macht, Austausch ermöglicht und demokratische Anschlussfähigkeit stärkt.
Damit richtet sich der Blick nicht nur auf einzelne Medienangebote, sondern auf die gesamte lokale Kommunikationsordnung: Wer informiert? Wer wird erreicht? Wo entstehen Austausch und Verständigung? Und welche Strukturen braucht es, damit demokratische Öffentlichkeit vor Ort gelingen kann?
Forschung als Impuls für öffentliche Debatten
Der veröffentlichte Appell unterstreicht die Aktualität dieser Forschung. Er verdeutlicht, dass die Sicherung journalistischer Leistungen, die faire Sichtbarkeit qualitätsvoller Inhalte und neue Formen öffentlicher Kommunikationsinfrastruktur zusammengedacht werden müssen.
Für den Forschungsschwerpunkt Communication Research@HSD ist dies zugleich ein wichtiger Transferimpuls: Wissenschaftliche Analysen lokaler Öffentlichkeiten sollen dazu beitragen, konkrete Debatten über Medienförderung, Plattformregulierung, kommunale Kommunikation und demokratische Teilhabe vor Ort anzustoßen.
Wer den Appell nachlesen oder mehr über das zugrunde liegende Forschungsprojekt erfahren möchte, findet hier weitere Informationen: