Vortrag bei der DGPuK-Tagung „PolKomm 2026“ in Hamburg: Wählen wir Lösungen nur, wenn sie ins Weltbild passen?

Konstruktive Beiträge

Wie resilient ist unsere Demokratie – und welche Rolle spielt politische Kommunikation in einer Welt, die von Krisen, Polarisierung und Vertrauensverlust geprägt ist? Mit diesen Fragen beschäftigt sich die DGPuK-Fachgruppentagung „Kommunikation & Politik“ (PolKomm 2026) an der Universität Hamburg. Im Mittelpunkt der Tagung steht die Auseinandersetzung damit, wie politische Kommunikation Orientierung geben kann, ohne neue Spaltungen zu vertiefen.

Ein Beitrag aus dem Forschungsschwerpunkt Communication Research@HSD knüpft genau hier an. Der Vortrag von Olaf Jandura, Matthias Mack und Marcus Maurer (beide Johannes Gutenberg-Universität Mainz) untersucht, ob lösungsorientierte, sachliche Berichterstattung tatsächlich Menschen erreicht, die sich von politischen Nachrichten abwenden. Oder ob auch Lösungsvorschläge für Probleme vor allem dann akzeptiert werden, wenn sie zur eigenen politischen Haltung passen.

Worum geht es?

Konstruktiver Journalismus verspricht, nicht nur Probleme zu schildern, sondern auch Handlungsoptionen und Lösungswege sichtbar zu machen. Das kann dabei helfen, Nachrichtenmüdigkeit und Ohnmachtsgefühle zu reduzieren. Gleichzeitig stellt sich jedoch die zentrale Frage: Sind Lösungen in politischen Konfliktfeldern überhaupt neutral? Oder wirken sie – je nach ideologischer Rahmung – selbst polarisierend?

Studie: Experiment mit Artikeln zu Klima und Migration

Grundlage des Vortrags ist eine quotierte Online-Befragung mit experimentellem Design (N = 1.825; 18–79 Jahre). Die Teilnehmenden bewerteten fiktive Online-Artikel zu zwei hochpolitisierten Themenfeldern: Klimawandel und Migration. Die Artikel wurden systematisch variiert:

  • sachlich vs. weniger sachlich
  • lösungsorientiert vs. nicht lösungsorientiert
  • mit unterschiedlich politisch anschlussfähigen Lösungsansätzen (z. B. marktliberal/abgrenzend vs. sozialstaatlich-integrativ)

Zentrale Ergebnisse

Die Ergebnisse zeigen ein gemischtes Bild:

  • Konstruktive Beiträge sind grundsätzlich attraktiv: Ein relevanter Teil der Befragten (41%) entscheidet sich für sachliche, lösungsorientierte Artikel.
  • Aber:Welche Lösung gewählt wird, hängt stark von politischen und medienbezogenen Dispositionen ab. Lösungen werden also nicht nur nach ihrer Plausibilität bewertet, sondern auch danach, ob sie zur eigenen Weltsicht passen.

Bedeutung für Forschung und Praxis

Der Vortrag macht damit auf eine wichtige Spannung aufmerksam: Konstruktiver Journalismus kann Orientierung bieten und Handlungsfähigkeit stärken – gleichzeitig kann er aber selektive Zuwendung fördern, wenn Lösungen politisch eindeutig gerahmt sind. Für die Praxis bedeutet das: Wer demokratische Resilienz stärken will, sollte nicht nur „Lösungen“ präsentieren, sondern Lösungskonflikte sichtbar machen, unterschiedliche Perspektiven fair abbilden (Ausgewogenheit!) und den Gehalt der Vorschläge reflektieren.

Mit dem Beitrag leistet Communication Research@HSD einen weiteren Impuls für die Debatte, wie politische Kommunikation Menschen erreicht – und welche Gestaltungsfragen sich daraus für Journalismus, Plattformen und öffentliche Kommunikation ergeben. Wir danken der Anton-Betz-Stiftung der Rheinischen Post e.V. für die Unterstützung unserer Forschung.

Anton_Betz
Prof. Dr. Olaf Jandura

Prof. Dr. Olaf Jandura
Persönliche Webseite
E-Mail: olaf.jandura@hs-duesseldorf.de

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