Digitale Teilhabe als Frage der Gerechtigkeit: Hannah Kehl überzeugt mit erstem Vortrag auf Fachtagung
Am 5. und 6. Februar 2026 stand bei der gemeinsamen Jahrestagung der DGPuK-Fachgruppen "Kommunikations- und Medienethik" und "Medienpädagogik" die zentrale Frage der digitalen Gesellschaft im Mittelpunkt: Wer kann an Politik, Bildung, Kultur und Öffentlichkeit tatsächlich teilhaben – und wer bleibt strukturell außen vor?
Der Forschungsschwerpunkt war mit dem Beitrag „Sozial benachteiligt – digital abgehängt? Sekundärdatenanalysen zu digitalen Klüften in NRW“ von Hannah Kehl und Olaf Jandura vertreten. Hannah Kehl meisterte ihren ersten Vortrag auf einer wissenschaftlichen Fachtagung sehr souverän. Der Vortrag zeigte eindrücklich, dass digitale Ungleichheit weit mehr ist als ein technisches Problem: Sie ist eine Frage sozialer Gerechtigkeit – und eine Herausforderung für demokratische Teilhabe.
Digitale Spaltung ist mehr als „online“ oder „offline“
Der Vortrag machte deutlich: Digitale Klüfte entstehen nicht nur beim Zugang zum Internet. Sie ziehen sich durch verschiedene Phasen des Kommunikationsprozesses und betreffen mehrere Dimensionen, die Kehl systematisch in den Blick nahm:
- Zugangsklüfte: Armutsbetroffene Menschen verfügen seltener über Internetanschlüsse und geeignete technische Geräte.
- Nutzungsklüfte: In den Daten deutet sich ein „Smartphone-only“-Muster an – mit möglichen Einschränkungen bei Anwendungen, Bildungschancen und alltäglichen Erledigungen.
- Zuwendungsklüfte: Informationsangebote und Nachrichtenquellen werden seltener genutzt; gleichzeitig werden soziale Medien als relevanter eingeschätzt.
- Kompetenzklüfte: Armutsbetroffene berichten seltener von erfolgreicher Informationssuche und geringerer Expertise im Umgang mit Computer und Internet. Bei Smartphone-Kompetenzen zeigen sich hingegen kaum Unterschiede.
Auch innerhalb armutsbetroffener Gruppen bestehen Unterschiede
Ein wichtiger Punkt des Vortrags war zudem: Armut ist kein homogenes Phänomen. Innerhalb der Gruppe armutsbetroffener Personen zeigen sich weitere Unterschiede – insbesondere nach Alter, Geschlecht und Bildung. Digitale Teilhabe muss daher differenziert verstanden werden, wenn Maßnahmen wirklich diejenigen erreichen sollen, die am stärksten betroffen sind.
Impulse für Forschung und Praxis
Insgesamt unterstreichen die Analysen das Ausmaß digitaler Ungleichheit in Nordrhein-Westfalen – und sie zeigen, wie wichtig es ist, digitale Teilhabe als kommunikationswissenschaftliche und gesellschaftspolitische Kernfrage ernst zu nehmen. Der Vortrag lieferte damit nicht nur empirische Evidenz, sondern auch konkrete Anknüpfungspunkte für eine Debatte über maßgeschneiderte Maßnahmen und Perspektiven einer inklusiveren digitalen Öffentlichkeit.
Hannah Kehl, M.A.
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